24. – 31.12.2017   Ecuador 4

                                   Mompiche – Ibarra

 

Am Heiligabend setzten wir uns mit den jungen Surfern und Gästen zu einem gemütlichen Tocas-Essen zusammen. Viel Gemüse wurde fein geschnitten, auf einem heissen Stein gegart und in die von Diego, einem argentinischen Voluntario, zubereiteten Tocas gefüllt. Das war richtig lecker.

Wir blieben an der Küste und fuhren auf der E 15 nordwärts Richtung Esmeralda. Die Weihnachtsbeleuchtung war eher dürftig, dafür der Einfallsreichtum der geschmückten Weihnachtsbäume grösser. Mit Plastikflaschen, Sanitärmaterial, Geschenkpäckli etc. verzierten sie die „Bäumli“, eine interessante Zusammenstellung.  

Grosse Shrimpsbecken wurden überall neben den Flüssen und der Küste angelegt und wir genossen diese in den einheimischen kleinen Restaurants. Auch Palmfruchtbäume bauen die Farmer grossflächig an, denn aus diesen werden zweierlei Öle hergestellt. Palmöl ist ein Pflanzenöl, welches aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen wird. Palmkernöl wird aus den Kernen der Früchte gepresst und besteht zu über 80% aus gesättigten Fetten. Diese Öle befinden sich in Lebensmittel, Haushalt- und der Kosmetikbranche und div. Industrieprodukten. Indonesien und Malaysia sind bis jetzt die wichtigsten Anbauländer. Mehr, siehe Wikipedia.

In Esmeraldas standen viele weisse und farbige Hochhausbauten mit Appartements- und Ferienwohnungen an der Küste. Ansonsten sahen wir vor allem Fischerdörfer mit bunten Fischerbooten oder vereinzelte Häuser am Strand. Die Bevölkerung ist dunkelhäutig und bunt gekleidet. Die rundum runden Frauen trugen die engsten Leggins und knappe Oberteile, „es purzelte fast alles heraus...“, andere wiederum trugen sehr raffinierte schöne Kleider.

Von der Pazifikstrasse bogen wir in die Via a Ostiones und fuhren bis zum hintersten Pueblo der Meeresbucht. Es war Weihnachtstag und in diesem kleinen Dorf wurde ausgiebig gefeiert. Kaum standen wir vor dem gesuchten Restaurant kamen schon viele Kinder angerannt. Gerne wollten sie alle in unser Mobil schauen. Auch rangelten sie sich darum wer uns an der Hand halten und zu ihrem Festplatz bringen durfte. Da wurde mit der Dorfkönigin getanzt, gespielt und gegessen. Diese war 14 Jahre alt, jetzt noch rank und schlank. Im Restaurant gegenüber gingen wir etwas leckeres Essen und der Wirt meinte, dass wir vor seinem Haus stehen und übernachten könnten. Anschliessend schauten wir dem Fussballspiel der Lokalmannschaft zu und Fredy schoss ein tolles Gruppenfoto. Fussball und Billard wird in Ecuador sehr gerne und oft gespielt. An vielen Orten stehen unter der gedeckten Veranda Billardtische. Dann durften wir mit einem Mädchen und deren Mutter ihr Haus besichtigen. Die einte Hälfte besteht aus einem einfachen und bescheidenen Küchen- und Wohnraum, in der anderen befinden sich zwei Schlafräume. Hinter dem Haus pflegen sie einen schönen Fruchtgarten und haben eine tolle Aussicht aufs Meer. Im Restaurant verschoben sie Tisch und Stühle um mehr Platz für die Tanzfläche zu bekommen und los ging es mit Musik. Zwar fanden wir vor lauter Musik und Hitze kaum Schlaf, aber dieser Besuch in diesem abgelegenen Dorf war es allemal Wert da zu sein. Wir waren übrigens die einzigen weissen Besucher.

Früh am Morgen packten wir zusammen und fuhren nur gerade 10 km weiter an die Playa Africa. Es war eine etwas rumpelige Anfahrt und über den Sandstrand kamen wir in ein kleines Nest mit 15 Familien. Herrlich, wir hatten den Strand fast alleine und hängen gemütlich unter Schatten in der Hängematte. Wir besuchten das aussergewöhnliche Museum in welchem Tonfiguren von ehemaligen Indianern und Mineralien ausgestellt waren. Vom gegenüberliegenden Dorf kam am Nachmittag eine grosse Kinderschar zum Mango pflücken. Das machte richtig Spass und bevor sie wieder nach Hause gingen kamen alle noch bei uns vorbei um sich zu verabschieden. Die sehr freundliche Wirtin vom Restaurant Valentin bereitete uns leckere Langusten und Fisch zu. Anschliessend zeigte sie uns noch ihre Krebse. In zwei gedeckten Pneus krabbelten einige blaue Prachtstücke herum und wir sahen, dass die Männchen eine grössere und kräftigere Schere als die Weibchen haben. Hier genossen wir eine herrlich ruhige Nacht.

Weiter ging es auf der E 15 der Via del Pacifico entlang. Zum ersten Mal sahen wir Kalebassenbäume. Die Kalebassen dienen als Trinkgefässe, Behälter für Lebensmittel und Flüssigkeiten und Rumbarasseln. Goldsucher benutzten die durchlöcherten Früchte zum Sieben von Sand. Auch werden in dieser Region wieder Rinder mit „Schlampiohren“ gehalten.

Wir bogen in die Avenida Las Peñas und fuhren zum wunderschön am Sandstrand gelegenen Restaurant „La Ramada“. Die bunten Fischerboote liefen ein, verkauften ihre Fische und legten ihre Netze wieder zusammen. Mit kolumbianischen Feriengästen plauderten wir etwas bevor wir uns die frittierten Shrimps schmecken liessen. Die Musik war angenehm und wir durften hier zum Übernachten bleiben. Nun gab es aber Musik von der Nachbarkneipe und die lief laut und lang. Es wiederholte sich dauernd und Fredy ging um 3.30 Uhr nachschauen, ob man eventuell etwas leiser oder ausschalten könnte. Man konnte nicht, denn die drei „besoffenen“ Männer wollten einfach nicht. Kurzerhand fuhren wir weg und stellten uns anderswo hin.

So entflohen wir der schwül-heissen Hitze am Meer und kehrten durch abwechslungsreiches mit Palmfrüchten, Bananen und anderen Fruchtbäumen bepflanztes Gebiet nach Ibarra zurück. Alles war hier sauber aber einfach. Man erzählte uns, dass dieser Teil ein weisser Fleck auf der Landkarte sei, d.h. er wird eher selten besucht und ist noch nicht gross erschlossen.

Dann besuchten wir San Lorenzo. Mann oh Mann, das ist eine Stadt. Sie liegt ganz in der Nähe der kolumbianischen Grenze und es tummelten sich allerlei dunkle Leute herum. Fredy fotografierte am Hafen und einer fragte, ob er von der Zeitung käme. In einer Hafengasse wurde er von einer Einheimischen sogar gefragt, ob er ihr ein Kind machen wolle.... In der Zwischenzeit ging ich zum Womi zurück, welches schon von vielen Jungs umrundet wurde. Einer versuchte es sogar zu öffnen. Luis Castillo en San Lorenzo, ein Box-Champion, gesellte sich noch dazu und es gab ein nettes Gespräch. Natürlich auch mit Foto.

Die E 10 führte auf sehr guter Strasse durch die ungewöhnlichen Berghügel mit ihren tiefen Canyons. Zwei Mal wollten uns Kinder, welche eine Schnur über die Strasse spannten anhalten und zweimal gab es eine Militärkontrolle. Da konnten wir aber ohne Kontrolle passieren. Je näher wir Ibarra kamen gab es wieder vermehrt grosse Zuckerrohrplantagen.

Bevor wir die Finca Sommerwind erreichten kauften wir noch im Supermarkt ein, denn hier blieben wir über Silvester. Mit einer tollen Grillparty, bei der jeder Camper ein Salat beisteuerte beschlossen wir das alte Jahr 2017.

Leider regnete es immer wieder und es ist recht kühl geworden, so zogen die ersten Camper schon heute weiter. Im ganzen Land und in Kolumbien ist Regen angesagt und wir wissen noch nicht wohin genau wir weiterfahren wollen.