1. - 14.1.2018         Ecuador 5

                                   Ibarra – Ibarra

 

Was für ein herrlicher Blick auf die freien Vulkane Cotocachi 4939 m und Imbabura 4609 m. Ein eher seltener Anblick.

Die Wetterkarte zeigte leider eine grossflächige Regenfront über Kolumbien und Ecuador. Somit entschieden wir uns nochmals einen Abstecher ostwärts Richtung Amazonas nach Tena zum Rio Napo zu machen. Über Otavalo nach Cayambe standen wir wieder einmal am Äquator. Heftiges Gewitter mit Blitzeinschlag unmittelbar in unserer Nähe zog über uns hinweg. So warteten wir ab, bis wir weiter zu den Termas de Papallacta fahren konnten. Da genossen wir dann bei leichtem Regen das angenehm warme Bad.

Am Morgen war es nur noch 6° und wir stellten die Heizung ein, weil alles feucht und klamm war. Dann überquerten wir die Cordillera Real auf der E 28 und die Temperaturen stiegen merklich an. Alles ist begrünt und nach Baeza tauchten wir auf der E 45 ins Dschungelgebiet ein, durchfuhren den Nebelwald und die mit Blumentöpfen behängten luftigen einfachen Holzhäuser begleiteten uns immer wieder. Mittagsrast im Restaurante „Doña Susi 1“ mit einer tollen Aussicht auf den Dschungel im Amazonasgebiet. Die Tische waren mit Rosen geschmückt und der Kellner trug sogar einen „Schlips“. Nach Tena überquerten wir den Rio Napo. Dieser fliesst später unterhalb Iquitos PE in den Amazonas. Im Hostal „Cabana Rio Napo“ bezogen wir ein Zimmer und genossen diesen schönen Ort mit einem Caipirinha in der Hängematte. Das Hostal ist ein Familienbetrieb und wird sehr gut und zuvorkommend geführt.

Es war sehr schwül und heiss und wir trafen anderntags Corina aus Winterthur.

Auch sie eine Auswanderin gründete eine kleine Familie. Neben dem Hostal betreibt sie mit ihrem Mann das „Yachana Wasi, Chocolate Artenasal“ in Misahualli-Tena.

Auf der E 20 überquerten wir die Cordillera Galeras und durch dichtes Dschungelgebiet ging es Richtung Coca de Orellana. Vor La Joya de los Sachas nahmen wir die holperige Naturstrasse und erreichten über die via Pompeya Itaya das Limoncocha NBR. Da suchten wir nach dem IOverlander-Platz, landeten schlussendlich bei der Familie von Fredis Eltern an der Laguna Limoncocha. Das war wieder einmal ein sehr abenteuerlicher Platz. Die ganze Familie war auf Besuch und half bei der anstrengenden Ernte von Yucca und Kakao. Anschliessend wurde ausserhalb des Hauses gekocht. Ein sehr buntes Treiben. Alles wird auf den Boden ausgeleert oder sonst wohin geworfen und die Hühner und Hunde putzen dann alles weg... Leider war Fredi, der Guide anderntags schon vergeben, so konnten wir keine Bootstour unternehmen. Über Nacht und am Morgen schüttete es aus vollen Kübeln, alles stand unter Wasser und war schmutzig. Unglaublich was da herunterkam.

Bei Lago Agrio nahmen wir die E 10, fuhren dem Rio Aguarico entlang und kamen an unzähligen Öl- und Gasstationen vorbei. Leider wird auch aus dieser Region viel Öl gefördert. Ausserdem gab es Kakao, Yucca, Bananen und Palmfrüchte. Wir erreichten Cuyabeno, das Reserva de Producción Faunística Cuyabeno wo wir uns beim Ranger hinstellen durften.

Weil wir erst am nächsten Tag eine Bootstour buchen konnten fuhren wir bis zur EC/Kolumbianischen Grenze nach Puerto El Carmen. Der Rio Putumayo bildet die natürliche Grenze und mit dem Auto gibt es hier kein Durchkommen mehr. Der Marineoffizier erklärte uns, dass es nur per Boot möglich sei die Grenze zu überqueren. In diesem geschäftigen Ort gab es viele Läden, Garküchen etc. und ich denke, dass die Leute vom gegenüberliegenden Puerto Ospina hierher zum Einkaufen kommen. Das Auto durften wir neben dem Posten parken während dem wir im Restaurant essen gingen. Ein freundlicher Herr bedankte sich, dass wir überhaupt hier vorbeikamen.  

Um 7.00 Uhr früh bestiegen wir das kleine Boot von Señor Molesto, unserem Führer und fuhren durch dichten Dschungel. Nicht nur die Strassen schlängeln sich durch die Landschaft auch der Fluss zieht sich kurvenreich dahin. Unterwegs beobachteten wir kleine Affenarten. Mit ihren Jungtieren auf dem Rücken turnten sie über unsere Köpfe von Ast zu Ast. Auch einige Vögel waren zu sehen. Dann kamen wir zu der wunderschön gelegenen Laguna Grande wo eigenartige Bäume mit dicken Stämmen im Wasser standen. Ein beliebter Platz für verschiedenste Vögel. Zum Sonnenuntergang kamen wir nochmals hierher. Fantastisch. Da schlägt jedem Fotografen das Herz höher. Señor Molesto wusste natürlich wo der optimale Fotoplatz war.

Vorher aber besuchten wir noch eine Comunidad auf einer Insel. Hier leben 11 Familien zusammen und die zeigen den Touris wie sie hier aus Yucca ein Fladenbrot herstellen. Mit einer Einheimischen gingen wir im Garten Yucca-Wurzeln ernten. Die geschälten weissen Knollen wurden geraspelt, ausgepresst, mit dem Wiegemesser aufgeschnitten, durch ein Sieb gerieben, dann auf einer heissen Platte gebacken. Das Yucca-Mehl ist fast trocken und es wird mit keinen anderen Zutaten angereichert. Eine harte Arbeit. Man füllt die Fladen mit irgend etwas und isst sie wie Tocas pikant oder süss. Sie selber bäckt ihre Fladenbrote für zwei Wochen im Voraus und lässt sie an der Sonne trocknen.

Auf der Suche nach den sehr scheuen Papageien und Tukane sahen wir plötzlich einen blauen Tukan. Der sass auf einem abgeknickten Palmbaum und pickte das Mark heraus. Señor Moleste meinte, dass wir sehr grosses Glück hatten das zu sehen.

Nach dem fantastischen Sonnenuntergang machten wir uns auf den Rückweg denn es dunkelte sehr schnell und der Weg war noch weit. In der Dunkelheit sahen wir hin und wieder Kaimane, welche erst jetzt an der Wasseroberfläche erschienen und Señor Molesto, der kundige, gewandte Bootsführer brachte uns sicher und trocken wieder nach Hause. Glücklich und zufrieden fielen wir todmüde ins Bett.

Die E10 führte nun an vielen kleinen und grösseren Wasserfällen vorbei und der Abstecher nach La Sofia war sehr spektakulär. Die Strasse wird zwar gepflegt und zuhinterst gab es eine längere Hängebrücke nach La Sofia aber was sie da hinten machen ist uns ein Rätsel. Wieder einmal eines das wir nicht lösen können, denn es leben nur wenige Menschen hier. LKW’s und der Linienbus fahren zwar öfters durch und einige haben ein Motorrad, aber zum Einkaufen ist der Weg beschwerlich. An den Steilhängen wurden Maracuyás = Passionsfrüchte und etwas Mais angebaut. Einer betreibt sogar eine Milchwirtschaft und wahrscheinlich ist die Milch zu Rahm geschlagen, wenn sie über die holperige Naturstrasse in der Milchzentrale ankommt...

Am Morgen beobachteten wir wie die geheimnisvollen Nebelschwaden aus dem Tal hochstiegen und fuhren mit Blick nach Kolumbien weiter auf der Via la Bonita nach El Carmelo. Wir kamen ins Departement von Carchi, der Gemüsekammer dieser Region. Treibhäuser mit Blumen und riesige Felder voller Gemüse wurden angebaut und von der schwarzen Bevölkerung auf den Feldern bearbeitet. Die 4spurige kurvenreiche, stetig abwärts führenden E 35 zog sich durch bizarres Sandsteingebirge welches beständig schmaler und heisser wurde.

Dann erreichten wir zum 3ten Mal die Finca Sommerwind in Ibarra und trafen Silvia, Beat, Cynthia, Sandra und Michi. Wie froh waren wir wieder einmal bei kühleren Temperaturen zu schlafen. Anschliessend ging es ans Waschen, Gasflaschen füllen, Einkaufen und zum Coiffeur. Ja, der Coiffeur bekam einen Grossauftrag. Zu fünft gingen wir zum Haare schneiden. Flink und flott wurde das erledigt und für uns zwei kostete es nur 18 $.

Bevor alle wieder in verschiedene Richtungen auseinander gehen genossen wir zusammen einen gemütlichen Grillabend mit Rindsfilet, Champignonsauce und verschiedenen leckeren Salaten und gutem Wein. Ein sehr schöner und geselliger Abend.

Am Montag reisen wir definitiv nach Kolumbien, denn seit dem 25. November sind wir nun in Ecuador und wollten eigentlich nur schnell, schnell durchfahren. Aus dem wurde glücklicherweise nichts, denn wir änderten unsere Reisepläne. So bereisten wir dieses wunderschöne und vielseitige Land von der Küste bis ins Amazonasgebiet, vom Süden längs über das spektakuläre Gebirge in den Norden und überfuhren 12 Mal den Äquator. Wow!