15. – 22.1.2018      Kolumbien 1

                                   Ibarra Ecuador – Coconuco Kolumbien

 

Dass Wetter wollte einfach nicht schön werden. Es war kühl und verhangen und wir fuhren durch das fruchtbare Tal auf der Panam Richtung Rumichaca zum Grenzort. Fast erschlug es uns denn hunderte Menschen standen oder sassen in langen Schlangen und warteten auf die Abfertigung bei der Immigration. Zu allem Übel regnete es wieder. Dann ging ich zu der bewachten Eingangstüre und erkundigte mich wo wir uns denn anstellen sollten. Der Verantwortliche fragte nach meinem Alter. Schon etwas komisch. Ich sagte es ihm trotzdem und er meinte wir könnten gleich zur Kolonne 1

aufschliessen. Da gibt es einen Schalter für Senioren, Schwangere, Behinderte und Kinder. Ein Hoch auf die Grauen Panther. So ging alles zügig voran. Wir mussten zwar noch Kopien machen, kamen dann aber gleich weiter. Das Auto ausstempeln und ab nach Kolumbien. Da war es genauso. Schlussendlich waren wir in 2 ½ Stunden in Kolumbien eingereist, kauften einen Feuerlöscher und eine Autoversicherung. Super!

1886 entstand unter dem Einfluss von Rafael Núñez die Republik Kolumbien und gab sich eine zentralistisch geprägte Verfassung. Das ganze Land hat eine unglaublich bewegte Geschichte. Kolumbien grenzt an Venezuela, Brasilien, Peru, Ecuador, Panama und an beide Ozeane. Es besitzt viele wertvolle Bodenschätze. Erdöl, Erdgas, Steinkohle, Gold, Smaragde etc. Es exportiert Kaffee, Bananen, Schnittblumen, Guadua, Baumwolle, Tabak, Zucker und Biodiesel. Deutschland importiert einen Grossteil der Steinkohle liefert dafür Maschinen, Kfz-Teile sowie Mess- und Regeltechnik. Das Land ist immer noch von grosser Armut geprägt und es leben etwa 49 Mio Menschen in Kolumbien. Viele davon zieht es in die Grossstädte während andere Regionen fast nicht bevölkert sind. Über die Drogen- und Guerillafrage möchte ich mich hier nicht äussern. Es gibt einfach Regionen die man nicht unbedingt besuchen sollte. Dank der verbesserten Sicherheitslage wird der Tourismus immer beliebter und man wird freundlich willkommen geheissen.

Auf der 25 ging es an Ipiales vorbei nach Las Lajas zur Teleférico, wo wir über Nacht stehen durften. Anderntags schwebten wir mit der Seilbahn, welche 2013 erbaut wurde in 20 Minuten ganz laaaaaangsam zur Talstation. Wir besuchten die im neugotischen Stil errichtete „Santuario de Nuestra Señora del Rosario de las Lajas“, die Wallfahrtskirche.

Ein Mythos berichtet, dass am 16. September 1754 die indianische Dienstmagd Juana Mueses de Quiñonez zusammen mit ihrer taubstummen Tochter Rosa in der Schlucht des Río Guáitara von einem schweren Gewitter überrascht wurde. Zwischen Blitz und Donner erhob Rosa plötzlich ihr Stimmchen: „La mestiza me llama! – Die Mestizin ruft nach mir!“, und deutete auf einen Felsen, auf dem sich deutlich die Gestalt der Jungfrau Maria abhob. Danach konnte Rosa wieder hören und sprechen. 1803 wurde erstmals eine Kapelle dann zwischen 1916 und 1949 die heutige Kirche erbaut. Seit da pilgern Scharen von Menschen aus Kolumbien und Ecuador hierher um Heilung zu erbitten. Unzählige Votivtafeln am Berghang künden von bereits vollbrachten Wundern. –IB

Am Strassenrand standen Leute und schauten auf einen in die Tiefe gestürzten LKW. Auch das ist hier Alltag denn die meisten überholen unverantwortlich. Die wunderschöne Gegend ist voller Gemüse, vor allem Erbsen, Bohnen und Kartoffeln. Auf den Erbsenfeldern werden lange Stecken alle 4 m in die Erde gesteckt. Eine recht aufwendige Arbeit wird doch alles von Hand gemacht.

Zurück in der geschäftigen Stadt Ipiales wollten wir Geld ziehen. Für uns wieder einmal eine komplizierte Angelegenheit. Ich fragte einen Bankangestellten und nun wissen wir wie der Bancomat funktioniert und auf welcher Bank wir 600'000 Pesos auf einmal ziehen können. So machten wir uns auf den Weg zur Bancolumbia, denn die Gebühr für die Schiffsüberfahrt von Cartagena nach Panama beträgt etwa 10'000'000 Pesos, ca. 2'500 – 3'000 Franken und es wird in bar verlangt. Es gibt viele moderne Geschäfte, Restaurants und anderes in der Stadt und die Leute geben gerne Auskunft, wenn man sie anspricht. Wir sahen schöne Autos und meistens gut und extravagant gekleidete Leute. Von meinem Mittagessen, Spaghetti mit Champignon und Poulet nahm ich noch gut die Hälfte mit und schenkte es dem Früchtehändler neben unserem Mobil. Dafür suchte er mir dann die süssesten Mangos aus.

Über die 08, 17 und 10 führte die wunderschöne Rundreise an Gemüseanbau und Rinderhaltung nach Túquerres vorbei. Gegen Abend kamen dann die Arbeiter mit Hacken und Schaufeln nach Hause. Polizei und Militär war zwar präsent aber sie hielten uns nicht an. Wir standen beim Parqueadero and Hotel Ruanos auf dem grossen Parkplatz.

Wir wollten den Vulkan Azufral 4070 m sehen und zur Laguna Verde fahren. Leider war wegen Bergrutsch, schlechtem und bewölktem Wetter beides nicht möglich. Weiter an vielen „Backsteinfabriken“ kurvenreich bergauf und bergab sahen wir wieder Zuckerrohr, Kaffee, Mais- und Bananengebiete. Nach Tangua bogen wir in die Circunvalar Galeras und umfuhren den Vulkan Galeras 4276 m. Die Strasse ist bis auf wenige Teilstücke sehr gut zu fahren. In einem Dorf aber bauten sie Stützmauern und dadurch war die Strecke sehr abenteuerlich. Schlamm und Matsch, was das Herz begehrt! Nach Sandona wurde viel Zuckerrohr an den Steilhängen angebaut. Für die Ernte gehen die Leute mit Pferden hoch oder werfen alles auf die Strasse hinunter. Landwirtschaft und Ackerbau wechselten sich in der alpinen Gegend ab und die farbig gebauten Backsteinhäuser sind mit Blumentöpfen behangen.

Wir erreichten die Stadt Pasto. Im Januar 2010 wurden fast alle alten Gebäude und Kirchen durch ein Erdbeben zerstört. Heute pulsiert sie wieder und die unzähligen Motorradfahrer wuselten überall herum, drängelten sich durch die kleinste Lücke zwischen den Autos und man musste gut aufpassen und sofort aufschliessen.

Auf der 10 fuhren wir zur Laguna Cocha. Was für ein spezieller Ort. Alle Häuser sind aus Holz im Schweizer Chalet-Stil und teilweise auf Pfählen gebaut. Sie stehen eng nebeneinander und sind mit wunderschönen Blumen geschmückt. Es gibt fast nur Hostals, Hotels und Restaurants. Wir standen vor dem Restaurant „Delicias del Lago“ wo wir auch eine leckere Forelle assen und Brombeersaft tranken.

Jede Nacht regnete es bis jetzt, so ist die Luftfeuchtigkeit gross und die Nebelschwaden dicht. Durch den Zwiebelort El Encano ging’s weiter nach Colón. Oftmals sahen wir Velofahrer und dann nicht immer die Jüngsten!

Es geht ja nur rauf und runter, eine Kurve an die andere. Dann überquerten wir die Cordillera Central und fuhren durch das Valle de Sibunday. Bohnen, bei welchen sie die Kerne entnehmen und Kaffee sah man am Häufigsten. Ab San Francisco fuhren wir auf dem Trampolin del Muerte, einer kurvenreichen engen etwa 90 km langen Naturstrasse wo man Motorrädern, Taxibussen und LKW’s begegnete. Die Ausweichmanöver waren auch nicht ohne... Mit Freude bewunderten wir die lilafarbenen Orchideen am Wegesrand. Die Grasborde und Sträucher wurden fein säuberlich zurückgeschnitten und die Wege und Wasserrinnen gereinigt und geflickt. Auch waren die 6 Kontrollen von Polizei und Militär kein Problem.

Auf dem sehr schönen Vaguara Camping Hostel Cabañas Mocoa am Río Mocoa übernachteten wir. Jetzt war es sogar wieder einmal angenehm warm.

Wir genossen das erfrischende Naturbad bevor es wieder heiss, feucht und bedeckt wurde. Durch Mocoa war es gar nicht so einfach. Lauter enge Einbahnstrassen und viel Betrieb. So wollte ich einmal nach rechts abbiegen, sah aber im letzten Moment, dass sich gegenüber Polizisten vor ihrem Polizeigebäude herum lümmelten. Ein andermal führte das Navi auch auf die falsche Seite und ein Motorrad fahrender Polizist pfiff einige Male. Er kam vorbei und erkundigte sich wo wir denn hinwollen. Dann fuhr er uns durch verschlungene Wege voraus aus der Stadt. Uff, wieder einmal gut gelaufen. Auf der 45 fuhren wir vorwiegend durch Dschungelgebiet. Schön durch so einen vielseitigen Wald und nicht nur durch Monokulturen zu fahren. Kaffee, Bananen, Zuckerrohr etc. begleiteten uns abwechselnd. Wir näherten uns Pitalito und bestaunten die sehr schön gebauten Villen in den grosszügig angelegten Parkanlagen. Weiter auf der 20 erreichten wir San Agustín und standen auf dem Camping Gamcelat. Vier Mal gab es Polizei- und Militärkontrolle, einmal sogar mit Panzer. Die Leute waren aber immer sehr freundlich und sie interessierten sich nur woher wir kommen und wohin wir wollen. Auch wurden wir gefragt ob wir vom roten Kreuz kämen. Denn wir hatten unser Schweizerkreuz auf die Motorhaube geklebt. Dass sie uns kontrollieren beruhigt uns schon, denn so wissen sie wenigstens wo wir sind und gehen nicht verloren.

Es ist kühl und bedeckt und mit dem Bus ging es zur archäologischen Fundstätte. Die Region San Agustín ist seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe. Ab 200 v.Chr. bis 700 n.Chr. weitete sich die Bevölkerung aus. Früher sammelten sie Nüsse und Schnecken und bauten Mais und Bohnen an. Dann kamen Kartoffeln, Yucca sowie Coca auf den Speiseplan. Man schuf Bewässerungsanlagen, betrieb Terrassenfeldbau handelte mit anderen Stämmen, benutzte Obsidianwerkzeuge, ging auf Jagd nach Hirschen, Hasen und Ratten.

Die Schamanen (Jaguarmenschen) standen in der Hierarchie ganz oben. Die grössten Grabhügel und –rampen, steinerne Sarkophage, Wächterstatuen (Götter, Dämonen, Ahnen, Jaguarmenschen, Adler, Kaimane, Ratten und Frösche), meist mit überdimensioniertem, furchteinflössenden Antlitz, wurden in dieser Zeit gebaut. – IB

Bevor wir den Alto Lavapatas bestiegen stärkten wir uns mit einem Zuckerrohrsaft mit Limetten und einer geräucherten Blutwurst mit Reis, Gemüse etc. darin. Echt lecker. Hier oben soll sich die älteste archäologische Stätte mit sieben Statuen befinden. Möglicherweise bewachen sie einen Kinderfriedhof.

Besuch des Alto de las Piedras. Hier befindet sich das höchste „Doble Yo“ eine zweigesichtige Doppelskulptur. Alle diese Skulpturen waren Grabwächter.

Anschliessend durchfuhren wir Kaffee, Bananen, Zuckerrohr, Yucca, Mango, Orangen, Maracuyás, Mora=Brommbeer-Gebiete etc. und die Tomaten werden in dieser Höhe in Treibhäusern gezogen. Viele junge Paare waren mit dem Motorrad unterwegs. Auch ganze Familien sitzen bis zu viert darauf. Wir überquerten wieder die Cordillera Central und fuhren durch den Parque Nacional Natural Puracé. 50 km übelste Naturstrasse auf der viele PW’s, Busse und LKW’s unterwegs waren. Alles Dschungelgebiet aber nach dem NP öffnete sich das Land und wir sahen Acker- und Weideland. Im 19 Jhd. wurde in dieser Gegend alles abgeholzt und gerodet. Korn wird angebaut und Schafe und Rinder weiden auf saftigen Wiesen. Bei der Therme Aqua Hirviendo vor Coconuco blieben wir über Nacht und sahen, dass ein Chevrolet mit vielen einheimischen Gästen angereist kam. Matratzen, Esswaren und Kleider trugen sie dann in das uns gegenüberliegende Hostal.