23. – 29.1.2018      Kolumbien 2

                                   Coconuco – Rivera

 

Wir staunten nicht schlecht als wir am Morgen 18 Personen den Chevrolet bestiegen sahen. Das war vielleicht ein Hingucker, mach das einmal bei uns in der Schweiz! Im Auto, auf der Lade und auf dem Dach, alles kein Problem. Sie wundern sich zwar immer wieso wir nur zu zweit mit dem Auto fahren, für uns auch kein Problem.

Eine satte Alpenlandschaft auf welcher auch Landwirtschaft betrieben wird zieht an uns vorbei. Rechts und links können wir in die tief eingeschnittenen Täler und auf den Vulkan Pan de Azúcar 4670 m schauen. Es gab eine Polizeikontrolle und auf der 24 mitten in dem steilen Dorf Puracé eine Militärkontrolle. Da wollte doch tatsächlich einer einsteigen. Fredy sagte, dass er zuerst die Schuhe ausziehen solle, was er aber nicht wollte und uns weiterziehen liess. Nach 12 km steiler Schotterstrasse kam plötzlich wieder Asphalt. Wieso leben so viele Leute an so schwer zugänglichen Orten?

Zuerst besuchten wir den kleinen Wasserfall „El Bedón“, dann einen glasklaren See. Hier trafen wir die 18 Kolumbianer wieder und wir staunten, dass sie die steile kurvenreiche Strecke mit links schafften... Wir freuten uns sie wieder zu sehen und es stellte sich heraus, dass sie nicht sehr weit von hier wohnten. Die „Thermale de San Juan“ war ein wunderschöner Ort. Man kann da nicht baden nur Natur pur geniessen. Es schwefelte stark und überall blubberte es aus der Erde. Über 3000 m stehen kleine Palmen mit Strubbelköpfen im sehr feuchtem Moos. Man kann keinen Schritt hineinwagen. Fredy wäre beinahe in eine nicht einsehbare Pfütze gefallen. Bei El Cruce de la Mina fuhren wir hoch Richtung Vulkan Puracé und standen beim Centro de recreación Pilimbalá auf 3461 m.

Wir schliefen sehr gut, kein Mensch war mehr hier und anderntags erwartete uns ein stahlblauer Himmel. Die ersten Wandergäste kamen, unter anderem ein Brasilianer mit Motorrad und Hund. Seit 2 ½ Jahren sind die beiden unterwegs. Für den Hund hatte er auf dem Rücksitz eine spezielle Kiste gebaut. Jäckli, Sonnenbrille und Helm. Nichts kann mehr schiefgehen. Da es für uns zu weit und anstrengend war diese 1200 m hoch zu steigen besuchten wir den Mirador del Condor. Es war sehr windig und wir sahen die Kondore nur von Weitem, dafür war der Vulkan Puracé gut sichtbar. Franzosen, 1 Neuseeländer und 1 Österreicher waren da. Die wollten auch noch zur Therme. Der Österreicher konnte auf einem Motorrad mitreiten, den Neuseeländer packten sie kurzerhand in den Kofferraum. Es gibt hier nichts was es nicht gibt. Wir wundern uns bald nicht mehr.

Auf der 24 fuhren wir weiter nach Popayan. In der Altstadt gab es leider keine Möglichkeit einen Stellplatz zu finden. Alles ist eng und voller Einbahnstrassen. So entschlossen wir uns mitten im Zentrum beim Hotel Achalay ein Zimmer zu nehmen. Da durften wir dann unser Womi in den Parkplatz stellen. Wir genossen es sehr in der schneeweissen Altstadt umher zu schlendern. Es gibt viele 2-stöckige Kolonialhäuser mit Geschäften, Universitäten, Museen, Bibliotheken, Restaurants und Hotels darin. Die Schriftzüge sind in Gold oder anthrazit gehalten, keine farbigen Plakate oder sonstiges ist in diesem Teil erlaubt. Wir „wandelten“ auf der berühmten kleinen aus Ziegeln gebauten und mit Katzenköpfen gepflasterten Brücke „Puente de la Custodia“. Auch Bolívar ritt über diese Brücke. 

1537 gründete Sebastián de Belalcázar die Stadt Popayan. Sie liegt auf halber Strecke der Route Bogotá – Quito sowie im Einzugsgebiet der Pazifikregion mit seinen Goldlagerstätten. Es gab einen schnellen Aufschwung, spanische Rinder- und Zuckerbarone, Minenbosse, Kirchenorden und Gelehrte siedelten sich an. Am 31. März 1983 erschütterte ein 18 Sekunden dauerndes Erdbeben die „Weisse Stadt“ und tötete 250 ihrer Bewohner. Der Wiederaufbau dauerte fast zwei Jahrzehnte. –IB

Im sehr edlen Kolonialhaus „Hotel Camino Real“ aus dem 16. Jh, welches einst Teil einer Nonnenschule war, assen wir ein hervorragendes 6-Gang Menu für umgerechnet Fr. 19.--. Der Wein selber war gleich teuer....

Auf der Panam 25 ging es bis Piendamo und auf der 26 weiter nach Silvia. Bambushäuser mit blühenden Orchideentöpfen behangen standen etwas abseits der Strasse. Wunderschön. Neben grossen Waldflächen gibt es Bananen, Kaffee, div. Früchte und Weideland. Es blühen Dahlien, Fuchsien, Weihnachtssterne, Fingerhüte und Geranien etc. In vielerlei Farben blühende Büsche und Bäume.

Silvia ist das Zentrum der Guambiano-Indianer. Die Männer tragen Filzhüte, kurze, blaue Röcke und dunkle Ponchos die Frauen weite schwarze Röcke, einfarbige Blusen, blaue Tücher sowie Perlenketten. Sie tragen eine Tasche in welche die als vorzügliche Weberinnen geltenden Frauen Wolle und Spindel verstauen. Auch Männer tragen diese Taschen.

Nach Silvia wird die Naturstrasse schlechter, dafür die Landvillen um so schöner. Bis vor einiger Zeit sollen sich in dieser Gegend noch Guerillos aufgehalten haben. Weiter nach Inzá und zum PN Tierradentro gab es viele Bergrutsche und die Strasse ist abgebrochen. Die Naturgewalten in diesen Ländern sind einfach unglaublich. Stein- und Bergmassen verbunden mit Wasser haben einen riesigen Drang in die Täler zu stürzen und alles mitzureissen. Alles ist ständig in Bewegung. Wir erreichten den PN Tierradentro und stehen beim Hotel Albergue El Refugio auf einem geraden Platz. Da es anderntags regnete besuchten wir zuerst das Museum in dem es unter anderem einen Holzbalken gibt wo sie unwillige Leute oder Verbrecher an den Füssen aufhängten und mit einem speziellen Knüppel auspeitschten...

Im arch. Teil konnten wir sehen wie die Nasa, welche heute noch in diesem Gebiet sind, früher lebten. Auf kleinem Raum, mit Wänden und Türen aus Maisstämmen, die an Gerüsten aus Bambus befestigt sind und Dächern aus Gras. Heute sind die Wände aus Lehm und Bambus gefertigt. Die Nasa’s sind kleine, dunkle, eigenwillige aber sehr liebenswerte Menschen. Sie pflegen ihre Traditionen und leben sehr Natur verbunden. Gegen Mittag besserte sich das Wetter und wir stiegen zum Alto de Segovia auf. Hier besuchten wir die grössten, tiefsten und am schönsten dekorierten Grabkammern von Tierradentro. Die Gräber wurden zwischen 300 v.Ch. bis ca. 900 n.Chr. erbaut. Niemand aber weiss etwas Genaueres, da nichts geschrieben steht.

Wir wollten noch nach San Andrés de Pisimbalá, aber die Brücke wurde vor 15 Tagen weggespült. Es führt nur noch eine Bambusbrücke über den Fluss. Auf der anderen Seite bestiegen wir dann ein Sammeltaxi mit Einheimischen, Hühner, Plastiktüten voller Fleisch, Kartons mit Eiern und sonstigem. Eine lustige Gesellschaft und Rüttelfahrt bis zur Kirche im Ort. Die typisch gebaute Kirche trug aber ein Blechdach... Ein Bewohner erklärte mir, dass vor 3 Jahren das Dach brannte und das Reetgras für die Bedeckung erst noch nachwachsen müsse. Säcke voller grüner Kaffeebohnen wurden in den angekommenen Bus verladen, welche sie dann zur Weiterverarbeitung nach La Plata bringen. Gerade mal 2 Kilometer sind wir gefahren, erlebten aber einen sehr interessanten und lustigen Tag.

Heute Sonntag waren wieder viele mit dem Motorrad und herausgeputzt unterwegs. Es ist gut, dass wir immer wieder langsam unterwegs sind, ansonsten es schon längst „geknallt“ hätte.

Wir passierten einen grossen Steinbruch und sahen, dass die Firma für die Familien Reihenfamilienhäuser bauten. So haben die Arbeiter eine Unterkunft in der Nähe und brauchen kein Auto. Über die Via Popayán-Belalcazar kamen wir an Guadualejo vorbei. Hier trafen wir einen kleinen sehr lebendigen Markt an, fuhren anschliessend auf der 37 dem Rio Páez entlang nach La Plata. Nun sind wir im Departement Huila. Die Strecke ist etwas havariert und einige Brücken wurden neu gebaut. Wieder einmal begleiteten uns grosse Bäume voller Bärte wie in Patagonien, ein etwas ungewohntes Bild.

Die Landschaft änderte sich markant. In der Ebene ab Paicol gibt es grosse Reisanbaugebiete. An der gestauten „Represa El Quimbo vorbei stehen wir in Hobo bei einer Hostería y Restaurante hinter den Cabañas. Es wurde sehr heiss.

Unter Schatten spendenden Baumalleen fuhren wir der Represa de Betania (Stausee) entlang und sahen, dass die Leute viele neue Wasserbecken für die Fischzucht aushoben. Nun querten wir den grossen Rio Magdalena welcher schlussendlich in die karibische See fliesst und nach dem Mittag erreichten wir Rivera und das Hotel Los Gabrieles mit Campingplatz. Eine grosse Anlage mit Bademöglichkeit und anderen Vergnügungen. Am Wochenende tanzt hier bestimmt der „Bär“. Jetzt aber war es sehr ruhig und gemütlich.

Eingangs grösserer Orte sehen wir immer einige Nightclubs und Motel’s mit Autoboxen. Ein Kolumbianer erzählte, dass die meisten Leute sehr eng und mit einer grossen Familie zusammenleben. So hat man keine Privatsphäre, darum gibt es diese Motels mit Verrichtungsboxen. Also schon eine alte Tradition und nicht erst in der Schweiz erfunden...

Schreibt doch wieder einmal ins Gästebuch oder ein Mail. Wir fühlen uns etwas verlassen. Freuen uns riesig auf eine Nachricht von euch.