30.1. – 10.2.18       Kolumbien 3

                                   Rivera – Faratativa

 

Ein wunderschön mit Rosenblätter und Kerzen gedeckter Tisch erwartete uns zum Nachtessen. Wunderbar.

Wir befinden uns jetzt im Westabhang der Ostkordillere. Kurzer Besuch der weissen Kirche welche 1916 erbaut wurde. Dann ging es leicht abwärts immer Richtung Rio Magdalena. Mit 1'500 km ist er der berühmteste und wichtigste Fluss in Kolumbien. Restaurants, Hotels, Spielplätze und eine Gokartbahn standen am Wegesrand und auf dem Friedhof beschatteten kleine Sonnenschirmchen die frischen Blumen.

Im Valle del Alto Magdalena befindet sich die moderne Hauptstadt Neiva vom Departamento Huila. In der Umgebung wird Öl gefördert, Rinderzucht betrieben, Kakao, Kochbananen, Kaffee, Reis und Sorghum angebaut. Am liebsten aber zählen die „Lädelibesitzer“ ihr Geld.

Wir näherten uns der etwa 330 km2 grossen Tatacoawüste (Klapperschlange). Bei unserer Durchfahrt waren die welligen Hügel noch begrünt, ansonsten sie rot, ocker und grau scheinen. Durch die Erosion bildeten sich bis zu 20 m tiefe Canyons. Vor ca. 5 Mio. Jahren war hier Sumpfwald, der ein ehemaliges Meer überwucherte. In den 1930er Jahren stiessen Expeditionen, die eigentlich nach Erdöl suchten, auf Fossilien. Es wurden verschiedenste versteinerte Tiere und Bäume gefunden. In dieser heissen Wüste wachsen nur noch Kandelaber- und Melonenkakteen. Auf dem Campingplatz beim Observatorium zwitscherten die Sittiche um die Wette und alle Hühner stiegen auf den Nachbarsbaum zum Übernachten. Das war lustig zu beobachten, denn jede hatte ihren eigenen Platz. Wenn es nicht klappte flogen schon mal die Federn. Wo legen die wohl ihre Eier hin? Wir beobachteten die Sterne und sahen den Bloomond leider nicht im Erdschatten.

27° am Morgen und es wurde noch heisser. Unterwegs trafen wir einen Motorradfahrer der sich ein Schaf um den Körper gebunden hatte... Wir fuhren ins Valle de la Constelaciones. Da könnte man Kaimane im „Fluss“ sehen. Alles was wir sahen war eine unglaublich ruppige Strasse. Der Kaiman leckte bestimmt schon die Zähne, wir aber wendeten und fuhren weiter durch dieses wunderschöne sehr heisse Tal. Gut gab es eine Klimaanlage, denn es wurde über 40°. Plötzlich sahen wir einen Mann neben einem Baum sitzen. Wartet er auf „Godo“?

Wieder auf der 45a machten wir Mittagsrast in einer schattigen Baumallee. Schon eigenartig immer, wenn wir einen geeigneten Platz fanden, kamen Leute von irgendwoher und wollten da durch. Weiter ging der Weg auf der rechten Seite des Rio Magdalena an La Victoria und Potosi und an gross angelegten Reisfeldern vorbei. Vor und nach dem Fluss gab es je einen mit Wasserlöcher gespickten Tunnel.  Auf der asphaltierten 45 standen Verkaufsstände mit Keramikramsch neben der Strasse. Reis- und Papaya-Felder folgten und die Farmer halten in dieser Wärme Rinder mit „Schlampiohren“. Übernachtung bei der Terpel-Tankstelle. Kaum angekommen kam ein Sicherheitsbeamter in Vollmontur mit Pistole und Knüppel ...... er zeigte uns wo wir stehen durften. 34° Aussen- 39° Innentemperatur im Womi!

Das heftige Gewitter kühlte dann über Nacht auf 27°/30° ab. Reis- und Mango-Felder begleiteten uns auf dem Weg nach Ibagué. Wir genossen die Fahrt über die gut ausgebaute Strasse. Dann stieg der Weg stark und kurvenreich an. Es war auch die Hauptstrasse für alle LKW’s. Somit reduzierte sich die Fahrgeschwindigkeit auf 8 – 15 kmh. Die Überholmanöver waren dementsprechend spektakulär. Hier sagt man, dass der grössere und stärkere immer Vortritt hat.... Wir queren das 3te Mal die Cordillera Central und bogen nach Ibaqué in die unscheinbare „A Toche“-Strasse. Also wiederum Untersetzung rein und los geht es ins Abenteuer. Der Weg war einspurig, eng, sehr kurvenreich, steil, steinig und mit grossen Eukalyptusbäumen gesäumt. Eine tolle Strecke. An den Steilhängen, und es gab nur solche, pflanzten die Leute Kaffee, Bananen, Bohnen, Erbsen, grüne Peperoni, Zuckerrohr etc. Mit dem Auto gibt es da kein Durchkommen mehr und das Bewirtschaften ist sehr anstrengend. Hier ist man vorwiegend mit dem Mottorrad unterwegs. So fuhr ich zuversichtlich hoch. Die Motorräder zu kreuzen war kein Problem und die zwei Autos kamen mir gerade am richtigen Ort entgegen. An Toche vorbei Richtung Salento überquerten wir das Quindío-Massiv und hatten einen fantastischen Ausblick auf die Wachspalmen. Diese Palme ist mit 60 m die grösste ihrer Art und wurde als „Nationalbaum“ von Kolumbien auserkoren. Wir standen in einer tollen Ausbuchtung und sahen zum Vulcan Machín 1'870 m. Plötzlich kamen Pferde mit langen Holzstangen daher. Die werden zum Transportieren schwerer Sachen genutzt. Der Bauer spurtete dann noch hinterher. Der Besitzer dieser Umgebung kam vorbei und erzählte, dass nun seine Kinder diese Gegend bewirtschaften. Vor einiger Zeit war das noch Rebellengebiet und von hier oben wurde auch geschossen. Auf unserem Stellplatz stand vorher sein Haus, nun lebe er in Cajamarca.

In Salento, dem ältesten Ort des Departemento Quindío angekommen, parkierten wir in einem Parquadero und besuchten das touristisch sehr schmucke Dorf. Die Häuser sind im Paisa-Stil gebaut, d.h. mit bemalten Türen, Fensterläden und Balkons aus Holz, schattigen Innenhöfen und bunten Blumen. Im gut besuchten Restaurante El Rincon De Lucy assen wir sehr lecker, bummelten durch die Gassen, gingen in die Kirche der Señora del Carmen und schauten einer Hochzeit zu und zum Abschluss besuchten wir noch eine Cafeteria. Etwas ausserhalb übernachteten wir dann im „El Rancho de Salento“.

Sonntag, 18° und etwas wolkig. Viele Fahrradfahrer genossen die steile Abfahrt. Das war aber für uns nicht unbedingt der Hit, denn wir mussten da hoch. Viele ausgebrannte und zerstörte Häuser und Kasernen stehen hier oben. Das waren wahrscheinlich Unterkünfte und Ausbildungsorte der Rebellen.

Nach Armenia kamen wir an gross angelegten Kaffeeanbaugebieten vorbei und ab Zarzal auf der 25 gab es Zuckerrohrfelder soweit das Auge reicht. In Roldanillo bogen wir in die 23 und bei der Umfahrung von Bolivar fanden wir das sehr gute Restaurant Domingo. Super Service und alles sauber. Viele Familien von ausserhalb kamen zum Essen.

Zwischen dem Rio Cauca und der Cordillera Occidental durchfuhren wir das schöne fruchtbare Tal. Fischteiche in allen Grössen und Reben werden angebaut. Den Wein fanden wir dann leider nicht so gut. Nach Buga folgten wir dem Stausee Lago Calima nach Darién. Diese Gegend sieht aus wie bei uns im Tessin, lauter tolle Villen. Da der Wind tagsüber sehr stark weht ist es hier ein Paradies für Kite-Surfer. Wir standen im „Berlin Campground“ und schauten fasziniert ihren Kunststücken zu.

Wir wollten nach Buenaventura an die Küste fahren. Die Strasse war teilweise sehr löchrig und die 2te Spur gab es schon lange nicht mehr. Einfache bunte Holzhütten auf Pfählen, Lavanderias für Autos und Kleider zogen an uns vorbei. Überall wird gewischt und geplaudert. Die Bevölkerung ist auch wieder dunkelhäutig. Mit dem Motorradzug (Motobrujas a San Cipriano) ging es durch den Busch zu dem kleinen Ort San Cipriano. Wir bummelten durch dieses sehr bunte Dorf und assen etwas. Auf der Rückkehr wurden wir ordentlich nass und so entschlossen wir uns nicht mehr nach Buenaventura zu fahren, denn da ist es immer nass. Nochmals am Stausee entlang übernachteten wir auf dem Camping „Carina Campground“. Wir waren bis 21.00 Uhr die einzigen Gäste, dann kamen 3 Autos voller Kolumbianer. Aufgedreht wurde der Hahn und aus war es mit der Ruhe. Sie standen nicht nur neben uns, sondern quetschten das Zelt noch dazwischen.

Gartenzwerge aus der Gärtnerei winkten uns zum Abschied zu und wir fuhren durch Weideland in welchem grosse Gruppierungen voller grosser Bambusse zusammenstanden. Ein schönes Bild. Besuch des Wallfahrtsortes in Buga. Die gut erhaltenen Kolonialbauten sind bedeckt mit Millionen gebrannten Dachziegeln. Die Stadt wird von hellhäutigen Kreolen bewohnt, denen es dank der jährlichen Pilgerscharen, sowie guter Verkehrsverbindungen nach Cali und Buenaventura sowie in die Kaffeeprovinzen gut geht. Im Park genossen wir noch einen Eisbecher mit Früchten.

Weiter auf der 25, einer gut ausgebauten Autopiste fuhren wir fast nur noch an Zuckerrohrplantagen vorbei. In Amaime bogen wir ab zur Hacienda El Paraiso und besuchten das heutige Museum welches 1828 als Herrenhaus gebaut wurde. Entlang des ca. 30 km breiten Cauca-Tals, das von zahlreichen Bächen aus beiden Kordilleren mit Wasser versorgt wird, dominiert seit alters der Anbau von Zuckerrohr. Schon im 17. Jh. erstreckten sich hier riesige Plantagen, auf denen afrikanische Sklaven schufteten.

Etwas weiter entfernt stellten wir uns auf den Gleitschirmfliegerort „Dedalos“. Herrlich den Gleitschirmfliegern zuzusehen. Einmal waren 17 Stück gleichzeitig am Fliegen. Unterwegs sahen wir grosse Maschinen welche Zuckerrohr ernteten aber auch Menschen die ihn noch mit der Machete schnitten. Gehört haben wir, dass sie auch die Blätter verbrennen um dann die Stängel zu schneiden. Auf jeden Fall eine schweisstreibende harte Arbeit. Wir sahen auch, dass die Stängel in grossen Anhängerwagen transportiert wurden. Einige haben 4 Anhänger und ein Zugfahrzeug, alles zusammen 15 - 17 Achsen.

Es folgt viel Weideland, Rinder, Mais, Bananen, Ananas, Papaya etc. und alles Gras wurde mit Fadenmähern geschnitten. Die Erfinder von Fadenmäher, Wischer und Stacheldrahtzäunen wurden bestimmt Millionäre. Wir nähern uns Pereira und die Überbauungen nahmen zu. Seniorenresidenzen, Ein- und Mehrfamilienhäuser und natürlich auch vermehrt Verrichtungsboxen. Per Blinklicht wird angezeigt wann der nächste Platz frei wird.

Wir sind im Kaffeegebiet angekommen und besuchten das 1878 gegründete Städchen Filandia. Auch dieser Ort wurde wieder in Paisa-Architektur gebaut. In Chinchiná standen und besuchten wir die „La Hacienda Guayabal“, eine typische Kaffeeplantage, bei welcher noch alles von Hand gepflückt wird. Zuerst gab es eine interessante Ein- und Vorführung. Wie beim Wein gibt es auch beim Kaffee vieles was zusammenstimmen muss. Die Kaffeepflanze wächst 21 Jahre und wird 2 Mal zurückgeschnitten. Es werden die gelben und roten Bohnen gepflückt. Ein Arbeiter erhält 500 Cents (Fr. -.17,5) für ein Kilo Bohnen und 800 Cents, wenn er sie im Steilhang pflückt. Ein guter Pflücker erntet 300 kg Bohnen, ansonsten 150 – 200 kg pro Tag. Wir durften auch Bohnen pflücken und bekamen nur einen kleinen Eindruck von dieser anstrengenden Arbeit. In den einten Kaffeeplantagen stehen Bananen, Ananas etc. Diese geben den Bohnen einen speziellen Geschmack.

Nach so viel Kaffeeinformation ging es weiter auf der Autopista Del Café 50 nach Villamaria zur Seilbahnstation. Von da gondelten wir nach Manizales und betrachteten einen Teil der ½-Mio. Hauptstadt des Departamento Caldes. Die Stadt gefiel uns nicht so sehr, dafür genossen wir die Crèmeschnitte um so mehr. Mmh. Nun wollten wir noch die versunkene Stadt Armero an der 43 aufsuchen. Über 3'700 m und durch Weideland kamen wir nach Mariquita wo wir auf dem Campingplatz des Hotel Los Lagos übernachteten.

Armero bestand aus zwei Dörfern die sich an der Flussaue des Rio Lagunilla befanden und Tabak anbauten. Am 19. Februar 1845 gab es eine Gaseruption im Krater Arenas del Nevado del Ruiz. Es entstand eine gewaltige Schneeschmelze und ungeheure Mengen Schlamm sammelten sich und rollten als riesige Lawinenzunge das Flusstal des Rio Lagunilla hinab. Die Flutwelle riss alles mit und begrub die beiden Dörfer. Die Dörfer wurden wiederaufgebaut und 140 Jahre später am 13. November 1985 explodierte der Vulkan noch einmal und löschte alles aus. Es gab über 24'000 Tote und die restliche Bevölkerung verteilte sich in die umgebenden Dörfer.

Besuch des denkmalgeschützten Städtchens Ambalema. 1627 gegründet nennt sie sich auch „Ciudad de las 1101 Columnas“, Stadt der 1101 Säulen. Die Tonziegeldächer der Häuser werden von mit Ölfarbe lackierten Baumstämmen getragen. Dieser architektonische Stil kommt nur hier vor. –IB Hier wurde auch Tabak und Baumwolle angebaut, welche per Schiff über den Rio Magdalena oder mit der Eisenbahn transportiert wurde. Heute gibt es das alles nicht mehr, Reisanbau beherrscht jetzt die Gegend.

Weiter auf der guten 43er kamen wir in Faratativa, einem Vorort von Bogotá an. Die Grossstadt spürte man schon und es wurde schwierig einen Stellplatz zu finden. Im Botanischen Garten war das Übernachten nicht mehr möglich so stellten wir uns kurzerhand bei einer Kirche hin in der Hoffnung das alles gut geht.