26.2. – 19.3.18       Kolumbien 6

                                   Medellín – Cartagena

 

Einkaufen im „Exit“ und ab ging es nochmals an den Río Claro zum Übernachten. Auf der bewegten 45 durchfuhren wir eine trockene Landschaft zwischen dem Río Magdalena und der Ostkordillere und kamen ins Departament Santander. Eine Menge Öl wird in der Umgebung gefördert und an einer Verteilstelle standen 20 Öltankwagen zum Tanken bereit. Wir schätzten, dass in einem riesigen runden Tank etwa 120'000 Barrels lagern. 1 Barrel = 156 Liter = etwa 18,72 Mio. Liter in einem Tank. Damit könnte man gut und gerne ca. 125 Mio. Kilometer fahren. Davon gab es mehrere.

An Weideland, Rinder, Restaurants, Tankstellen und Palmölfeldern vorbei folgten wir in La Fortuna der 66. Die Ruta del Cacao war stark befahren und wir zahlten häufig Maut. Bei unserem langen Fahrertag läpperte sich da schon einiges zusammen. Fliegende Händler boten ihre Fische zum Kauf an welche sie in Kühltruhen am Strassenrand aufbewahrten. Arbeiten ist hier nicht so gefragt, lieber liegt man in der Hängematte oder auf dem Boden. Cacao-, Mandarinen- und andere Fruchtbäume begleiteten uns und wir erreichten den erst kürzlich gebauten Hidrosogamoso-Staudamm. Die tolle Autostrasse mit Tunnels ist aber noch im Ausbau.

In den Vororten von Bucaramanga wurden grosse Verteilzentren aufgestellt und man kann neue LKW’s, Baumaterial-Gerätschaften und vieles mehr kaufen. Hochhausbauten schiessen wie Pilz in die Höhe und die Bevölkerung nähert sich locker der Millionengrenze. Auf der Variante Girón umfahren wir die Stadt und nach Floridablanca bogen wir in die Via Ruitoue zum Parapente Ruitoque Camping. Ein toller Platz neben den Gleitschirmfliegern und man hat eine traumhafte Aussicht auf die Stadt. Wenn da nur nicht der Paragleiter wäre der auf unserem Womi landen wollte. Als erstes wurde natürlich das Handy gezogen und telefoniert, keine Entschuldigung oder etwas in dieser Richtung. Fredy half ihm dann seine Schnüre von unseren Panelen frei zu bekommen......

Beim NP del Chicamocha schwebten wir mit der 2009 gebauten und 6,4 km langen Seilbahn über den tiefsten Canyon Kolumbiens. In dieser zerklüfteten trockenen Gegend gedeihen vor allem Kakteen. Weiter auf der 45A befuhren wir die stark befahrene Verkehrshauptstrasse von der Küste nach Bogotá und erreichten geschafft das „Pacha Hostal & Camping“.

Auf der gut fahrbaren 64 kamen wir ins Kolonialdorf Barichara. Dieser Ort liegt an einer Abbruchkante hoch über dem Canyon des Río Suárez. Alles wurde weiss gestrichen nur Türen, Fensterläden und Balkone sind farbig. Ein schmuckes Touristendorf.  Alles ist neu, die Farbe noch frisch und wir kauften ein Brot in der vor 15 Tagen eröffneten sehr schönen Bäckerei. Im nächsten Ort Guane, ebenfalls neu aufgefrischt assen wir Ziegenfleisch, etwas Zerhacktes, Yucca, Kartoffeln, Reis und Salat. Etwas gewöhnungsbedürftig vor allem war mehr Knochen als Fleisch zu finden. Zurück über San Gil schlenderten wir noch im Parque El Gallineral herum. 1919 wurde er zwischen dem Zusammenfluss des Río Fonce und der Quebrada Curití angelegt und besteht vor allem aus „Chiminangos“ - Bäumen, die über und über mit Greisenbart bedeckt sind (wie wir sie von Patagonien her kennen).

Auf der nun trockeneren Ostkordillere ging es an Kaffee-, Bananen- und anderen Fruchtbäumen vorbei und wir trafen Pferde, die mit Zuckerrohr beladen selbständig nach Hause liefen. Die beiden Franzosen welche wir in Mogotes sahen rieten uns von der Weiterfahrt nach El Cucuy ab. Aber unterwegs fragten wir dann einen Polizisten und der meinte, dass sich wieder alles beruhigt hätte und keine Gefahr mehr bestand. Zum Übernachten stellten wir uns auf den etwas abseits der Strasse gelegenen „Top oft he World“- Stellplatz mit einem fantastischen Ausblick ins Tal. Joghurt und Butter kauften wir anderntags im kleinen Lädeli in Onzaga und bestaunten das sehr exakt geschriebene und gestaltete Aufgabenbuch eines 7-jährigen Jungen. Die Tante erklärte stolz, dass er einer der besten Schüler sei. Hoffentlich hat der Junge auch einmal eine Zukunft.

In dem sehr schönen El Cucuy übernachteten wir auf dem öffentlichen Parkplatz neben dem Spital. Bei schönstem Wetter ging es hoch über eine satte Alpenlandschaft. Die Begrünung ist aber nur mit gezielter Bewässerung möglich. Hier in dieser Gegend züchten die Bauern Stiere. Prachtskerle, auch die Kühe standen gut im Futter und wie fast überall sind die meisten trächtig. Wir standen auf 3800 m an einem idealen Punkt um ein letztes Mal im NP El Cocuy ein Gletscherpanorama zu bewundern. Leider zogen Wolken auf und wir konnten nur einen kleinen Blick auf den Glacier Cóncavo 5165 m erhaschen. Schön war es durch diese wilde Gegend mit dem brüchigen Gebirge und den tiefen Täler zu fahren. Der Río Tunebo bewässert die Talgärten und es ist schon verrückt von 3800 ging es wieder auf 1100 m hinunter um den Fluss zu überqueren, dann wieder hoch zum Übernachten auf erfrischende 2700 m.

In Capitanejo füllte Fredy wieder die Pneus mit mehr Luft und kontrollierte die Schrauben. Oh Schreck eine Befestigungsschraube der Kabine war abgebrochen aber wir hatten das Glück im selben Ort eine passende Schraube zu finden um sie wieder zu befestigen.... Glück im Unglück, gerade einmal am richtigen Ort. Ich fand sogar das eher selten zu bekommende Vollkornmehl.

Bei Cerrito wollten wir übernachten aber es regnete und alles war dreckig, schmuddelig und voller Menschen mit dunklen Ponchos. Düster und quirlig. So stellten wir uns oberhalb der Stadt zum Übernachten hin und hatten keine Probleme. Zuerst ging es durch dicken Nebel 800 m abwärts. Keine Nebelschere oder Taucherbrille war zur Hand, dann an Kartoffelfelder vorbei über den 3871 m hohen Pass zur kleinen mystischen Laguna.

Besuch der Stadt Pamplona. Sie ist die älteste Stadt des Departamento Norte de Santander und wir tankten für 6100 Pesos pro Galone den bis jetzt günstigsten Diesel in Kolumbien. Venezuela ist ja nur 3 ½ Stunden von hier entfernt. Dementsprechend gibt es hier auch viele Flüchtlinge. Meistens verdienen sie sich etwas Geld mit Autoscheiben putzen, dem Verkauf von allerlei Krimskrams oder sonstigem.

Auf der 66 durchfuhren wir ein grosses Gemüseanbaugebiet voller Kohl, Sellerie, Zwiebeln, Lauch aber auch Erdbeeren und Pfirsiche etc. und erreichten in rasanter kurvenreicher Abfahrt Bucaramanga. Wir kamen auf der anderen Seite in die Stadt und sahen viel Elend. Menschen aller Gattungen, Läden, Motorräder, Taxis und viele Drögeler sind auf der Gasse.... eine denkwürdige Strecke und kein schöner Anblick. Der 45A entlang fuhren wir noch nach Rionegro zur Hospedaje y Balnearo Villa Maria und standen auf 663 m. Die 3 Kinder interessierten sich sehr für unsere Reise und konnten sogar etwas englisch sprechen.

Im Departamento César kamen wir ins feuchtheisse Tiefland und die Ostkordilleren begleiteten uns noch eine Zeit lang rechter Hand. Zum grossen Teil sahen wir Weideland, Kakao, Fruchtbäume, Ölpalmen und Yucca. Die Häuser und Holzhütten sind sehr bescheiden und schmuddelig wie auch die Menschen. Die Hügel hingelegt wie ein zusammengeknülltes Frotteetuch. Zwischen El Paso und La Jagua de Ibirico gibt es auch riesige Steinkohlevorkommen. Laster mit Rinder und Kistli voller Hühner waren unterwegs und ein LKW mit Ketten zog einen Schwertransporter den Berg hinauf. Da möchte ich nicht in der Nähe stehen wenn’s kracht. Die 45 wird 2-spurig ausgebaut und hoppala was sahen wir denn da? Die neu erstellte Brücke ist schon auseinandergebrochen.

Des Öfteren wird nun an der Strasse Diesel und Benzin in Plastikkanistern angeboten. Da wir aber nicht wissen wie die Qualität ist tanken wir meistens bei einer Terpel Tankstelle. Nun stellten wir uns in einen Parquadero beim Hotel Wipamon vor Boscania. Nein, hier gibt es keine Verrichtungsboxen. Diese Cabañas bauten sie speziell für LKW-Fahrer zum Übernachten, denn früher wurden sie oftmals überfallen. So ging das massiv zurück.

Kalebassenbäume wachsen am Strassenrand und die Wassertümpel in der Savanne werden gerne von Rinder, Fisch- und Graureiher aufgesucht. Schon bald kamen wir an der 80er bei Pueblo Nuevo vorbei. Wie das Wort schon sagt wird hier renoviert und neugebaut. Esel bringen Lebensmittel ins Dorf und man kann an der Strasse gut „abgehangenes“ Fleisch und allerlei kaufen. Alles wuselt. Nebenan wird die Müllhalde durchstöbert und sortiert. Vielleicht kann man noch etwas gebrauchen, recyceln oder verkaufen. Wir zählten 30 Streuner. Auch die wollen ihren Anteil... Was uns an dieser Strecke immer wieder auffiel waren die knallgelb blühenden Bäume die zwischen Flaschen- und anderen Bäumen standen. Ein schöner Anblick in dieser trockenen Gegend. Die stark befahrene Strasse führte bei Plato über den Río Magdalena und nach El Carmen de Bolivar, auf der 25 nach Carreto und auf der 90 an den Stadtrand von Cartagena. Hier stehen wir etwas erhöht bei einem Hotel wo wir auch noch etwas Leckeres zum Essen bekamen und baden durften. Herrlich.

Am 7. März hatten wir ein Treffen mit Louis Ernesto. Wir besprachen die Verschiffungsangelegenheiten und buchten anschliessend ein Zimmer im Hotel Ibis vom 14. – 20. März und den Flug von Cartagena nach Panama. So stellten wir uns beruhigt hinter das Hotel Hilton. Da gibt es einen freien Stellplatz mit einer umwerfenden Aussicht auf die eleganten weissen Hochhäuser. Wir trafen die zwei Franzosenpaare von früher und Argentinier. Francis holte seine Gitarre hervor und wir genossen einen gemütlichen Abend zusammen.

Schönstes schwüles Wetter und alles klebte schon beim Wegfahren. Über die 90A ging es Richtung Barranquilla. Ausser den Hochhäusern um die grösseren Orte gibt es viele einfachere Behausungen und die Leute sind eher etwas unfreundlich und es gab auch nicht viel Interessantes zu sehen. Wegen der starken Sonnenbestrahlung sind hier alle Handwerker, Bau- und Strassenarbeiter dick eingehüllt angezogen, ein etwas eigenartiges Bild.

Wir hörten von Leuten, dass es in Barranquilla vor der Brücke über den Río Magdalena korrupte Polizisten gibt und sie gerne Touristen nach der Baustelle bedrängen. So erging es auch uns. Der Polizist wollte 500'000 Pesos das sind etwa 180.--. Wir verstanden leider kein spanisch und fragten nach dem Weg nach Santa Marta und zeigten ihm die Mautgebühr welche wir schon bezahlten. Nach vielem gestikulieren und abwarten konnten wir dann doch weiterfahren. 2 spanisch sprechenden Deutschen erging es nicht so gut. Also Leute, passt auf, fährt höchstens 30 oder weniger auch wenn ihr eine lange ungeduldige Autokolonne hinter euch herzieht.

Bei der Überquerung des Dammes nach Ciénaga assen wir noch eine Kleinigkeit in einem netten Restaurant, bewunderten die Stelzenhäuser der Fischer und rochen schon von weitem, dass hier Salz abgebaut wird. Auch zerhackten sie ein Stück Fleisch auf einem Spaltstock.... Bei Santa Marta bogen wir ab nach Minca zu dem quirligen Künstler- und Touristenort. Über die Naturstrasse ging es bergauf und was hörten wir neben uns: „Hallo Schweizer“. Eva und Christian kamen soeben in Kolumbien an und warten auf die Auslösung ihres Autos. Oberhalb des Wasserfalls übernachteten wir auf dem kleinen geraden Platz.

Von weitem hörten wir die Brüllaffen, Zikaden und verschiedene Vögel. So besichtigten wir früh den geheimnisvollen „Wasserfall“ Pozo Azul. Hier hielten die „Kogui“ früher ihre Reinigungsrituale ab. Ein idyllischer Ort aber nur für kurze Zeit, denn beim Zurücklaufen kamen uns bestimmt 200 Leute entgegen.

Jetzt fanden wir endlich einen Platz wo wir unter Kokospalmen in der Hängematte liegen konnten. Das war beim Camping Los Angeles vor dem PNN Tayrona. Sehr schön „sun, fun and nothing to do“. 

Weiterfahrt nach Camarones zum SFF Los Flamencos. In der Playa Karin wo wir auch stehen durften nahm uns gleich eine rundum gut gebaute Einheimische in Beschlag. So assen wir bei ihr und mit einem Fischer machten wir am späteren Nachmittag eine Bootstour zu den Flamingos ab. Um 16.00 setzte er ein Segel aber die Laguna Grande war zu wenig tief für eine gute Fahrt. So stieg er einfach aus und schob uns ein gutes Stück. Leider sahen wir nur eine Hand voll Flamingos, dafür genossen wir den schönen Ausflug. Langsam dunkelte es ein und wir sahen wie viele Familien Langustinos für die umliegenden Restaurants fischten. Weil dieses Wochenende Abstimmung war durfte kein Alkohol öffentlich ausgeschenkt werden. Der wird nämlich oft und gerne getrunken.

Ab und zu begegneten uns die ganz in weiss gekleideten „Wayúu“. Das ist ein Stamm im Departamento La Guajira welcher eher in Familienverbänden und in kargen Adobehütten als in Dörfern lebt. Sie halten Ziegen und Esel und fischen nach Langusten in den Lagunen und im Meer. Auch geschmuggelt wird eifrig. Waffen, Menschen, Drogen, Whisky, elektronische Geräte, Bier und Benzin. Jeder will Geld verdienen, denn für Geld ist alles zu haben...

Für die Verschiffung liessen wir in einer Autowaschanlage unser Mobil gründlich waschen und schmieren. Anschliessend stellten wir uns an den Puerto Velero welcher unter der Woche menschenleer ist.

Am 15. März fuhren wir mit dem Agenten zum Hafen. Der Fahrer musste an verschiedenen Orten wichtige Papiere unterschreiben und die Chassis-Nummer wurde immer wieder überprüft. Einen Tag später ging es zur Drogenkontrolle. In den Stauräumen und im Führerhaus musste die hinterste Kiste hervorgeholt werden aber auch das ging gut und mein Schatz kam wieder nach Hause. Ich muss sagen, dass wir mit der Agentur von Louis Ernesto sehr zufrieden waren. Er füllte für uns die nötigen Papiere aus, organisierte alles und so hoffen wir, dass unser Womi gut von Cartagena nach Panama verschifft wird.

Dann genossen wir die letzten Tage in Cartagena im Hotel und schlenderten durch die sehr schöne Altstadt. Viele Touris waren unterwegs und die Strassenhändler in ihrem Element. Ich bin überzeugt, dass die Hutverkäufer das beste Geschäft machten.

Im Computer sehen wir, dass die Fähre nun unterwegs nach Cartagena ist und wenn alles gut geht kommt sie am 20./21. März in Panama an. Wir werden sehen. So verlassen wir nun das sehr eindrucksvolle, spannende und liebenswerte Südamerika. Tolle Eindrücke und wunderschöne Fotos nehmen wir mit nach Hause und mit einem Kribbeln im Bauch stehen wir nun vor der nächsten Herausforderung: Zentralamerika.