22. – 31.12.2019

Creel «Lago de Arareco» – Los Mochis – Puerto Topolobampo

 

Ein wunderschöner Sonnenaufgang begrüsst uns und wir starten in ein weiteres Abenteuer. 500 m sind wir von der geteerten Hauptstrasse entfernt!!! Na ja, so bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack auf die Canyons. Die Chih 77 Carretera Creel ist gut zu fahren und beim Mirrador El Divisadero Barranca stellen wir uns nach dem Zahlhäuschen auf den Parkplatz zum Übernachten. Hier verläuft die Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Pazifik. Wir bewundern die tolle Aussicht in diese tiefen Schluchten, laufen weiter und nehmen die Seilbahn (Doppelmeyer), wo man Einblick in drei Schluchten hat. Das ganze Gebirge ist mit viel Wald bewachsen, dazwischen die steil abfallenden Felsformationen und, weit unten liegen einige Weiler der Tarahumara.

Die Barranca del Cobre umfasst ein gutes Dutzend grosser Schluchten der Sierra Madre Occidental im Nordwesten Mexikos und ist als Gebiet viermal so gross wie der Grand Canyon in Arizona. Anfangs 17. Jhd. entdeckten Jesuitenmissionare auf der Suche nach Kupfer das Gebiet und nannten es Barranca de Cobre (Kupferschlucht). (B) In diesem Gebiet steht auch noch die älteste Jesuitenkirche.

Wir erfahren, dass in nächster Zeit der «Ferrocarril de Chihuahua al Pacifico», kurz genannt «Chepe», von Los Mochis hier Halt macht. Das ist ein Spektakel. Die Gäste haben eine halbe Stunde Aufenthalt und können sich da an Essens- und Souvenirständen gütlich tun. Kochen tun die Indigenen alle das Gleiche. Schmeckt aber lecker und die einen lassen sich auch noch etwas einpacken. Was für ein Gewusel. 1 Stunde später dasselbe noch einmal. Die Zugfahrt dauert 18 Stunden, fährt durch 86 Tunnels und über 39 Brücken. Die Bahn überwindet über 2400 m Höhenunterschied und führt durch sehr abwechslungsreiche Landschaften. Es wird kalt und wir verziehen uns ins Womi.

Auf der gleichen Strasse fahren wir nach San Rafael und weiter auf der Mex 24 nach Urique. Die Barranca de Urique ist die tiefste Schlucht der ganzen Sierra. Von El Divisadero 2'238 m geht es bis auf 535 m hinunter. Bei Bahurchive überqueren wir einen Bahnübergang, bei dem man noch ein Stück auf den Geleisen fahren muss. 

Im Dorf wurde ein Rind geschlachtet und nun lassen die Menschen die Fleischstücke, in dünne Tranchen geschnitten, an einer Leine lufttrocknen. Es soll lecker sein, erzählt mir einer. Nach Cerocahui wird es abenteuerlich. Über eine abgestossene Naturstrasse fahren wir durch Nadelwald bis zum Mirrador Cerro del Gallego. Auf 1'868 m geniessen wir eine weitere herrliche Aussicht. Dann geht es 14 km steil und kurvenreich talwärts nach Urique, wo wir einen wunderschönen Stellplatz bei «Entres Amigos» finden. Was für eine Freude hier zu stehen. Mitten in ihrem Gemüse- und Früchtegarten. Was will man noch mehr. Der Arbeiter schneidet die überhängenden Äste ab und ich darf mich sogar im Garten bedienen. Die Leute erzählen uns, dass es im Sommer über 50° heiss werden kann. So sind wir froh, in der Winterzeit zu reisen. 

Dienstag, 24. Dezember. Jetzt kommt Fredy’s Weihnachts-Fahrt. Leider ist es etwas bedeckt und wir hoffen, dass das Wetter hält, denn es wird sehr abenteuerlich. Es sind «nur» 70 km zu fahren und wir steigen auf ins erste Drittel, wo die Indigenen mit ihren Familien ihren Strassenabschnitt ausbessern. Das geht ja mal gut. Im zweiten Drittel beginnt es zu nieseln und die Strasse verschlechtert sich massiv. Viele beinahe unpassierbare Wasserläufe, vor allem in den Kurven, sind zu bewältigen und wir steigen auf über 2'100 m. Dann endlich geht es bei der Passhöhe von 1'997 m «nur» noch bergab. Die folgenden 13 km sind von der übelsten Art. In einem Bachbett geht es serpentinenartig bergab. Eine wahre Herausforderung, denn es besteht die Gefahr des Abrutschens. Nach 8 Stunden Fahrt sind wir doch noch unversehrt angekommen. Bei der Brückenüberfahrt fliesst auch noch der Fluss darüber und völlig durchgerüttelt erreichen wir Batopilas. Beim Restaurant zuhinterst im Ort dürfen wir uns hinstellen und da gehen wir auch gleich essen.

Wir befinden uns in einer sehr speziellen Gegend. Neben dem Restaurant sehen wir ein «Mausoleum». Hier liegt der eine Sohn des Besitzers. Er war Kleinflugzeugpilot und lebte ein umtriebiges Leben. Was er alles transportierte wissen wir nicht, man kann es nur erahnen. Batopilas ist ein ehemaliges Silberstädtchen. Es wirkt etwas verschlafen und doch wird geflickt und restauriert.

Heute fahren wir keine Grabble-Strasse mehr, sondern nehmen die bessere Carretera Samachique Batopilas, dann die Chih. 209. Vor kurzem rutschte viel Erdreich und Steine auf die Strasse und alles sieht etwas unheimlich aus. Wir sind froh wieder aus den engen Schluchten zu kommen, obwohl die Gegend umwerfend aussieht. Und dann kommt mein Weihnachtstag. Ich vergass mein Handy von der Kühlerhaube wegzunehmen, bevor wir weiterfuhren. Als ich es aufladen wollte, war nichts da. Also sofort wenden und zurückfahren. Da es fast keinen Verkehr auf der Strasse hat, hoffe ich, dass es nicht überfahren wurde. Und Halt! Kurz vor einer Dorfeinfahrt sehe ich es auf der Strasse liegen. Was für ein Glück! Alles funktioniert noch. Später übernachten wir in Guachochi beim verlassend wirkenden «El Tepehuan Ressort». 

Da wir nicht über die Bergstrasse fahren, geht es 440 km weit bis Rodeo. Neben dem Restaurant El Alamito und der Pemex Tankstelle dürfen wir uns hinstellen und gehen etwas leckeres Essen. Das war ein langer Fahrertag!

8° am Morgen und Schleierwolken treiben sich um. Im Ort werden Heuballen und Aepfel angeboten und bei Durango nehmen wir die Mex 40D. Eine Supercarretera und überqueren die Sierra Madre Occidente. 2'800 m ist der höchste Punkt und wir schauen immer wieder in tiefe Schluchten. Nach El Salto befahren wir die alte Mex 40 und im «Parque Natural Mexiquillo» übernachten wir neben runden grossen Steinbrocken. An diesem schön gelegenen Ort bieten die Leute allerlei Aktivitäten an. Man kann den Wasserfall besichtigen, bei dem sogar ToiTois bereitstehen, mit den Quads durch die Steinlandschaft kurven etc. und natürlich ist wieder alles gespickt mit Verkaufsständen. Ein Superstellplatz bei diesen imposanten Steinen.

Heftiger Sturm und Regen kommt in der Nacht auf und etwas Wasser drückt durch das Dachfenster. In dieser Region ist der Tourismus eine gute Geschäftsidee und sie bauen schöne Cabañas und Ferienhäuser. Nun fahren wir die spektakuläre Motorradpiste Mex 40. Die alte Strasse ist ca. 150 km lang, sehr kurvenreich und die Aussichten auf die Schluchten und in die Weite sind fantastisch. Aber zuerst gab’s in La Ermita eine Militärkontrolle. Nach Besichtigung der Kabine, dürfen wir weiterfahren. Nun sehen wir die ersten grossen Trailer, die Angehörige eines Zirkus sind und so viele Hühnerställe wie hier im Tiefland haben wir noch nirgends gesehen, auch wird wieder Gemüse- und Ackerbau betrieben. 

Durch die hektische Stadt Mazatláns geht es zum Trailer-Park «Mar a Villas» ans Meer. Alles voller Amerikaner und Kanadier, die eng nebeneinanderstehen. Wir hatten just Platz dazwischen und freuen uns, dass es wieder wärmer ist.

Weiter fahren wir über die bewegte Mex 15, der Pazifikküste entlang ins Sinaloa-Gebiet. Viel Buschland begleitet uns und wo dies gerodet wurde wird der Boden auch wieder bewirtschaftet, für was auch immer. Kakteen wachsen überall, sogar auf dem Ziegeldach! In einem kleinen Dorf wollen wir essen gehen, aber beim Rückwärtsfahren «bumste» etwas. Ein Kandelaber stand im Weg, aber Gott sei Dank ist nichts passiert. Was in dieser Gegend vor allem ins Auge sticht, sind die wunderschönen lila Bäume und unzählige gelbe Schmetterlinge flitzen an uns vorbei. Im gross angelegten Gemüseanbaugebiet liegt die schöne Freizeitanlage «Jardine Rincanada». Am Fluss und der Lagune beobachten wir wieder einmal verschiedene Vogelarten. Plötzlich tönt es so eigenartig und wir sehen, wie sich weit hinten am Himmel etwas zusammenballt und sich uns nähert. Da kommen hunderte Vögel in einem ganzen Pulk angeflogen und ziehen über uns hinweg. Was für ein Schauspiel. Immer wieder ballen sich neue Gruppen zusammen. 

Ab Culiacán ist alles «mega». Die Leute bauen lange EFH-Reihen. Es gibt Rinderfarmen, grasgrüne Maisfelder, Mühlen, Treibhäuser voller Tomaten, Bohnen, Peperoni etc. und die Häuser für die Feldarbeiter liegen dazwischen. Das fruchtbare Land liegt auf ca. 30 m Höhe. Nun sind wir auf der holperigen Sin1 und Mex 15 und es werden Zucchetti geerntet, Plastik ausgelegt oder neu gepflügt. Während der Erntezeit ist hier bestimmt der Bär los! Auch Kleinflugzeuge parken bei den grösseren Haciendas, so ist man etwas beweglicher.

Dann erreichen wir endlich Los Mochis. Der Ort selber ist nicht so schön und wir fahren durch nach Topolobampo an den Fährplatz. Bekommen wir denn heute eine Überfahrt?