11. – 20.2.2018      Kolumbien 4

                                   Bogotá – Doradal

 

Ich fuhr in die 8,5 Mio. Stadt Bogotá. Fredy ist zwar der bessere Navigator, dafür habe ich zum Chauffieren die nötige Ruhe. Wir querten wieder einmal die Cordillera Central und neben den Velofahrern, ging es an Industrie, Verteilzentren und neu erstellten Quartieren vorbei. Durch enge mit Marktständen besetzte Gassen erreichten wir mitten in der Altstadt das Guesthouse Arche Noah. Der Parquedero nebenan hatte just Platz. Überall lag Plastik und Weggeworfenes herum. Feierten die Leute Party oder gab es eine Veranstaltung am Wochenende? Nein, im Zentrum gab es viele Fastfood-Stände und obwohl Kübel platziert sind wurde alles weggeworfen. Einige Leute sammelten was brauchbar war zusammen bevor der Kübelwagen den Rest zusammen wischte.

Das sehr schöne Guesthouse wurde von einem Schweizerpaar renoviert. Es liegt in Mitten anderer 300 Jahre alten Häuser welche zum Weltkulturerbe gehören. Tolle Graffitis sah man überall. Wir schlenderten durch die Cra. 7. Das ist DIE Strasse am Wochenende. Man trifft hier Gaukler aller Art, Tango-Tänzer, Geschichtenerzähler, Schmuckverkäufer, Mimiker, Sänger, Schachspieler, Maler, fahrende Früchte- und Knabberstände und Senioren die sich zur Schau stellten. Eine bunte und sehr pulsierende Stadt.

Mit der Standseilbahn fuhren wir auf den 3150 m hohen Cerro de Monserrate. 1640 wurde da eine erste Kapelle errichtet, einige Jahre später ein Kloster. Die Aussicht ist atemberaubend. Bei unserem Besuch war es etwas neblig, so assen wir zuerst im eleganten französischen Restaurant Casa San Isidro ein hervorragendes Essen. Leider war auch kein Sonnenuntergang zu sehen. Dick in Nebel eingehüllt fuhren wir wieder zurück.

Besuch des Goldmuseums in welchem präkolumbische Gold-, Platin-, Silber- und Tumbago-Gegenstände zu bewundern waren. Viele Artefakte wurden früher den indigenen Völker von den spanischen Eroberern weggenommen, zu Barren geschmolzen und nach Europa transportiert.

Auf der 55 + 45A erreichten wir Zipaquira wo wir die sehr beeindruckende, wunderschön und schlicht gestaltete Salzkirche besuchten. Seit dem 19. Jh. wird hier Salz gewonnen. Es brauchte fast 80 Tonnen Sprengstoff um die jetzige Salzkathedrale, eine monumentale Halle auf einer Fläche von 8'500 m2, für deren Hohlraum eine Viertel Million Tonnen Gestein und Salz ausgeschält wurde, zu gestalten. Vor allem gewinnen sie hier Salz aber auch Smaragde.

Die Altstadt mit ihren langen farbigen Balkonen war gefällig und man konnte in den „Lädeli“ alles aus Salz, oder Edelsteine kaufen. Viele Leute waren mit einem schwarzen Kreuz auf der Stirn gekennzeichnet.  Sie erzählten uns, dass ab jetzt in 40 Tagen die Karwoche beginne.  

Wir fuhren auf der löchrigen Via Neusa zum Stausee „Embalse del Neusa“. Im ruhigen Campingplatz vom NP blieben wir für zwei Tage und erledigten allerlei. In der Gegend um Neusa werden verschiedene Blumen, unter anderem Rosen in grossen Treibhäusern gepflanzt und nach USA oder Europa exportiert. Unter anderem „Rosas del Neusa S.A.“ Kolumbien ist der zweitgrösste Exporteur für Blumen. Zu spät sahen wir, dass alle Bäume nummeriert waren, denn wir grillierten mit dem Baum Nr. 7567. Der fehlt nun in der nächsten Zählung. Nein, nein, der lag schon marode am Boden.  Fingerhüte und Brombeeren wachsen in Hülle und Fülle und „Remax“ der Immobilienhändler ist auch hier vertreten.  

Vorbei an saftigem Weideland mit vielen Milchkühen ging es weiter nach Nemacón. Hier baute seit uralten Zeiten das Chibcha-Volk der Muiscas in den nahen Minen das Steinsalz ab. Man kann die Mine besuchen, wir aber gingen in das kleine Salzmuseum welches die Geschichte des Salzabbaus zeigte. Im Ort selber war nicht viel los und so fuhren wir auf einer Abkürzung nach Sesquilé, dem Stausee de Tominé entlang um anschliessend steil hoch auf der Via Laguna de Guatavita, zur Laguna de Guatavita dem El Dorado zu fahren. Mit einem Führer ging es hoch zur Laguna auf 3'100 m. Verschiedenste Legenden kreisen um diesen See, welcher 300 m breit und etwa 25 m tief ist. Die Muiscas sollen da ihr Gold versenkt haben, denn die Spanier wollten es ihnen wegnehmen. Es wurde auch allerlei unternommen dieses sogenannte Gold zu bergen aber es kam nie etwas Grösseres zum Vorschein. Viele „Goldgräber“ machten sich auf den Weg und versuchten ihr Glück. Heute ist alles geschützt und man darf nur noch mit einem Führer diesen heiligen Ort besuchen. Beim hinunterfahren sahen wir, dass die Kinder eine schwarze Schuluniform mit roten Kravatten trugen. Beim Stausee de Tominé, Club Marina de Guatavita durften wir übernachten.

Land- und Milchwirtschaft prägt diese Gegend und die Milch wird sogar vom kleinsten Bauernhof für die Milchverarbeitung abgeholt, auch wenn es nur 2 kleine „Kübeli“ voll sind. Tiertransporte waren unterwegs. Achtung! Nicht zu nah auffahren, denn die Kühe „pflütterten“ hinten heraus. Das gäbe bestimmt ein interessantes Graffiti auf der Kühlerhaube.

Auf der 55 kamen wir nach Tunja, der Hauptstadt des Departemento Boyacá. In dieser Stadt war alles im Umbau. Aus alt mach neu und so entstanden neue Viertel mit Häuser jeder Grösse, Läden, Restaurants, Cabañas etc. Keine schöne Stadt. Zwiebeln werden im grossen Stil angebaut und aus dem nahen Gebirge holen sie Tonerde.

Es wurde wüstenhaft, heisser und trockener. In Sutamarchán assen wir gegrillte „Longanizas“ – Schweinewürste und „Pepitoria“ – Blutwürste mit „Arepa“ – Maistätschli gefüllt mit Käse, Kochbananen, Yucca und darüber „Chicharrón“ – gegrillte Schweinehaut. Mmmmmhhhh..... Während dem Essen zog ein heftiges Gewitter über uns und so warteten wir bevor wir auf der 60 nach Ráquira abbogen. Das kleine Dorf war sehr rustikal gebaut und es gab massenhaft Läden mit getöpferten Gegenständen aller Art. Wir wollten aber noch das Kloster San Augustin in La Candelaria besuchen. Über die unbefestigte abenteuerliche sehr holperige Naturstrasse Via Las Vegas erreichten wir glücklich das im Umbau bestehende Kloster. Regen stellte sich ein und alles wurde etwas glimpflich. „Da ist bestimmt vor uns noch kein Wohnmobil durchgefahren!“ Bei der Villa Terracota durften wir übernachten. Die Besitzer betreiben eine grosse Eventhalle in der sie für Schulklassen aus Bogotá etc. Töpferkurse veranstalten. Besuch des 1597 gegründeten Augustinerklosters. Der Klostergarten ist eine Augenweide und die Eremitenhöhle sehr beeindruckend.

Auf dem besseren Weg der Via Guacheta über Ráquira ging es zum urchigen Dörfchen Raquison. Das war so richtig nach unserem Geschmack. Alles ist zwirblig, bunt, geschäftig und farbenfroh. Im gut sortierten „Lädeli“, wo sie lange Würste aufgehängt haben und hinter der Theke Fleisch zubereiteten, kaufte ich etwas Gemüse. Des Öfteren sahen wir nun Olivenbäume. Wunderschön dicke und runde Ziegelsteindächer zieren die folgenden Häuser welche mit ihren speziellen Fenster- und Türverkleidungen ganz apart aussahen.

Bei El Fósil de Monquirá bestaunten wir das 8 m lange Skelett eines 120 Mio. Jahre alten Kronosaurus mit einem 2,70 m langen Krokodilkopf. Was der wohl alles erlebt hatte? Im Museo Paleontológico zeigten sie eine Auswahl vieler Fossilien. Ammoniten, Trilobiten und den Kopf eines schwertfischartigen Ictiosaurus.  Auch die sind alle zwischen 100 bis 150 Mio. Jahre alt. Damals wogte hier noch ein Meer.

In der ganzen Gegend wird sehr viel Tonerde abgebaut, diese zu dicken Ziegel- oder Backsteinen gebrannt. Alle Häuser sind wunderschön anzusehen, schneeweiss mit verwinkelten Erker, den Holzbalkonen, Tonkrüge voller Blumenschmuck und den tollen Parkanlagen. Aber Treibhäuser voller Schnittblumen und Tomaten verunzieren etwas die Landschaft.

Natürlich besuchten wir das eigenwillige aus Ton gebaute Terracotahaus. Der Architekt Octavio Mendoza erbaute dieses extravagante, mit verschiedenen Figuren und Formen verzierte und verwinkelte Haus. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit zu unserem Hundertwasserhaus, nur besteht hier fast alles aus Ton. Dann ging es endlich nach Villa de Leyva. Im 16. Jh. ein Erholungsort für hohe Militärs und Beamte ist es heute ein Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr. Die kopfsteingepflasterten Gässchen sind gesäumt von gekalkten Häusern im andalusischen Stil mit Patios, in denen Oleander und Bougainvillea wachsen. Blumen hängen von den Balkonen herab. Restaurants, Cafés, viele Hotels und Kunstgewerbeläden dominieren in dieser Kleinstadt. Beim Pizzaessen hörten wir Schweizerdeutsch. Klaus und Erika sind auf einer geführten Rundreise und es war sehr schön, sich wieder einmal in gewohnter Sprache zu unterhalten.

Marta und Øyvin waren uns im Jumbo behilflich und freuten sich sehr mit uns zu plaudern denn sie sind selber auch Reisende. Sie haben hier eine alte Villa und wollen sie demnächst renovieren. Spontan luden sie uns ein und wir irrten durch das Villenquartier bis wir sie fanden. Ein sehr netter Abend und wir durften auch gleich da stehen bleiben. Auf dem benachbarten Berg liegt die Laguna de Iguaque auf 3600 m. Nach dem Glauben der Muiscas, denen sie heilig war, galt sie als Wiege der Menschheit.

Über die sehr schlechte Strasse, vorbei an Weideland und Kühen, Kartoffeln, Bohnen, Brombeeren und wieder einmal Hühnerfarmen gelangen wir auf die 55 + 62 und überquerten zum 6ten Mal die Cordillera Central. Die Polizei war präsent, kontrollierte aber nur die Motorradfahrer. Helm- und Ausweiskontrolle. Nach dem 2600 m hohen Pass ging es abwärts durch Kakao-, Bananen- und Bohnenplantagen. Die eine Strecke war sehr schlecht zu fahren, Asphalt und Schotter wechselten sich alle paar 100 m ab und bei der Baustelle warteten wir eine gute Stunde. Ein Kolumbianer war mit einem kleinen Wagen Benzin und Diesel unterwegs. Dieser wird in die abgelegenen Orte verteilt, weil man hier nicht einfach ums Eck einkaufen geht.

Im Tiefland angekommen wurde es zunehmend heisser, so stellten wir uns bei der „Estadero“ Chanbacu nach Cimitarra bei einem Schwimmbad hin, welches wir gleich nutzten. (Seichwarm) aber trotzdem angenehm. 37° im Womi und wir montierten sogleich unsere frisch erworbenen 2 Ventilatörli. Super!!!! Ja, die Hitze macht uns schon ein wenig zu schaffen denn wir wechseln oft von einer Klimazone in die andere.

Viel trockenes Land mit jetzt noch begrünten Sandsteinhügel prägt die Landschaft. Hin und wieder gab es zwischen einem Baumbestand Tümpel voller wunderschön blühender Seerosen. In Puerto Araujo nahmen wir die 45 und fuhren auf der bewegten Strasse dem Rio Magdalena bis nach Caño Alegre und auf der 60 bis vor Doradal zu der ehemaligen Villa von Pablo Escobar.